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Oder: Herr Wulff und die (wirklichen so schlimmen?) Fettnäpfchen.

Keine Sorge lieber Leser, ich werde jetzt nicht auch noch in die Bresche schlagen und mich über die Verfehlungen des amtierenden Bundespräsidenten auslassen. Auch möchte ich mich nicht an der Diskussion über einen eventuellen Rücktritts von Herr Wulff beteiligen.

Ebenso möchte ich nicht weiter auf Statements und Kommentare eingehen, die sich mit der vorliegenden Thematik befassen, ob Herr Wulff zur Zeit besonders heftigsten und übertriebenen Attacken unterliegt, ob es sich vielleicht um ein abgekartetes Spile handelt, wie es zum Beispiel hier

http://eurodemostuttgart.wordpress.com/2012/01/04/sind-das-die-satze-derentwegen-wulff-gehen-muss/

(duraus lesenswert und interessant) dargestellt wird oder ob er tatsächlich dem Amt des Bundespräsidenten und dem Ansehen der Bundesrepublik (wie es man es immer so schön formuliert liest und hört)  so sehr geschadet hat, dass ein Rücktritt seinerseits unvermeidlich sei.

Vielemehr möchte ich Sie und auch mich generell fragen, ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre darüber nachzudenken, den Deutschen an sich entscheiden zu lassen, wer ihn und seinen Staat vertreten sollte.

Bislang wählt ja die geheimnisvolle „Bundesversammlung“ den Bundespräsidenten – eine zu gleichen Teilen aus den Mitgliedern des Bundestages und einer (repräsentativen?) Vertretung von Bürgern bestehenden, geheimnisvollen Instanz, deren Dasein und Kompetenz mir zuweilen noch ominöser, schwammiger und ferner liegt, als unser Parlament. Tatsache ist, dass es Kandidaten gibt, von denen ich (zumeist) nichts halte (in Bezug auf das zu bekleidende Amt unseres Staatsoberhauptes) und die jeweils von den verschiedenen politischen Lagern vorgeschlagen werden.

Als Staatsoberhaupt sollte derjenige gewählt werden, der die Mehrheit der Deutschen unter sich vereinigen kann – also der- oder diejenige, den oder die tatsächlich die meisten Deutschen als ihren obersten Vertreter / ihre oberste Vertreterin sehen wollen – völlig unabhängig von der eigenen politischen (Nicht)Gesinnung.

Also die direkte Wahl vom Volk – für mich persönlich die einzige offensichtliche Möglichkeit.

Auch und gerade, um eben dem Amt und der Person mehr Rückhalt und auch Gewicht zu verleihen.

Herrmann Löns

Der Weihnachtsmann ging durch den Wald. Er war ärgerlich. Sein weißer Spitz, der sonst immer lustig bellend vor ihm lief, merkte das und schlich hinter seinem Herrn mit eingezogener Rute her. Er hatte nämlich nicht mehr die rechte Freude an seiner Tätigkeit. Es war alle Jahre dasselbe. Es war kein Schwung in der Sache. Spielzeug und Esswaren, das war auf die Dauer nichts. Die Kinder freuten sich wohl darüber, aber quieken sollten sie und jubeln und singen, so wollte er es, das taten sie aber nur selten. Den ganzen Dezembermonat hatte der Weihnachtsmann schon darüber nachgedacht, was er wohl Neues erfinden könne, um einmal wieder eine rechte Weihnachtsfreude in die Kinderwelt zu bringen, eine Weihnachtsfreude, an der auch die Großen teilnehmen können. Kostbarkeiten durften es auch nicht sein, denn er hatte so und soviel auszugeben und mehr nicht.
So stapfte er denn auch durch den verschneiten Wald, bis er auf dem Kreuzwege war, dort wollte er das Christkindchen treffen. Mit dem beriet er sich nämlich immer über die Verteilung der Gaben.
Schon von weitem sah er, dass das Christkindchen da war, denn ein heller Schein war dort. Das Christkindchen hatte ein langes, weißes Pelzkleidchen an und lachte über das ganze Gesicht. Denn um es herum lagen große Bündel Kleeheu und Bohnenstiegen und Espen und Weidenzweige, und daran taten sich die hungrigen Hirsche und Rehe und Hasen gütlich.
Sogar für die Sauen gab es etwas, Kastanien, Eicheln und Rüben.
Der Weihnachtsmann nahm seinen Wolkenschieber ab und bot dem Christkindchen die Tageszeit. “Na Alterchen, wie geht`s?” fragte das Christkind, “hast wohl schlechte Laune?” Damit hakte es den Alten unter und ging mit ihm. Hinter ihnen trabte der kleine Spitz, aber er sah gar nicht mehr betrübt aus und hielt seinen Schwanz kühn in die Luft.
“Ja”, sagte der Weihnachtsmann, “die ganze Sache macht mir so recht keinen Spaß mehr. Liegt es am Alter oder an sonst was, ich weiß nicht, ich hab keinen Fiduz mehr dazu. Das mit den Pfefferkuchen und den Äpfeln und Nüssen, das ist nichts mehr. Das essen sie auf, und dann ist das Fest vorbei. Man müsste etwas Neues erfinden, etwas, das nicht zum Essen und nicht zum Spielen ist, aber wobei Alt und Jung singt und lacht und fröhlich wird.”
Das Christkindchen nickte und machte ein nachdenkliches Gesicht; dann sagte es: “Da hast du Recht, Alter, mir ist das auch schon aufgefallen. Ich habe daran auch schon gedacht, aber das ist nicht so leicht.”
“Das ist es ja gerade”, knurrte der Weihnachtsmann, “ich bin zu alt und zu dumm dazu. Ich habe schon richtiges Kopfweh von den ganzen Nachdenken, und es fällt mir doch nichts Vernünftiges ein. Wenn es so weiter geht, schläft allmählich die ganze Sache ein, und es wird ein Fest wie alle anderen, von dem die Menschen dann weiter nichts haben, als faulenzen, essen und trinken.”
Nachdenklich gingen beide durch den weißen Winterwald, der Weihnachtsmann mit brummigem, das Christkindchen mit nachdenklichem Gesicht. Es war so still im Walde, kein Zweig rührte sich, nur, wenn die Eule sich auf einen Ast setzte, fiel ein Stück Schneebehang mit halblautem Ton herab. So kamen die beiden, den Spitz hinter sich, aus dem hohen Holze auf einen alten Kahlschlag, auf dem große und kleine Tannen standen. Das sah nun wunderschön aus. Der Mond schien hell und klar, alle Sterne leuchteten, der Schnee sah aus wie Silber, und die Tannen standen darin, schwarz und weiß, dass es eine Pracht war. Eine fünf Fuß hohe Tanne, die allein im Vordergrunde stand, sah besonders reizend aus. Sie war regelmäßig gewachsen, hatte auf jedem Zweig einen Schneestreifen, an den Zweigspitzen kleine Eiszapfen, und glitzerte und flimmerte nur so im Mondenschein.
Das Christkindchen ließ den Arm des Weihnachtsmanns los, stieß den Alten an, zeigte auf die Tanne und sagte: “Ist das nicht wunderhübsch?”
“Ja”, sagte der Alte, “aber was hilft mir das?” “Gib ein paar Äpfel her”, sagte das Christkindchen, “ich habe einen Gedanken”.
Der Weihnachtsmann machte ein dummes Gesicht, denn er konnte es sich nicht recht vorstellen, dass das Christkind bei der Kälte Appetit auf die eiskalten Äpfel hatte. Er hatte zwar noch einen guten alten Schnaps in seinem Dachsholster, aber den mochte er dem Christkindchen nicht anbieten. Er machte sein Tragband ab, stellte seine riesige Kiepe in den Schnee, kramte darin herum und langte ein paar recht schöne Äpfel heraus. Dann fasste er in die Tasche, holte sein Messer heraus, wetzte es an einem Buchsstamm und reichte es dem Christkindchen. “Sieh, wie schlau du bist”, sagte das Christkindchen, “nun schneid` mal etwas Bindfaden in zweifingerlange Stücke, und mach mir kleine, spitze Pflöckchen.” Dem Alten kam das alles etwas ulkig vor, aber er sagte nichts und tat, was das Christkind ihm sagte. Als er die Bindfadenenden und die Pflöckchen fertig hatte, nahm das Christkind einen Apfel, steckte ein Pflöckchen hinein, band den Faden daran und hängte den an einen Ast.
“So”, sagte es dann, “nun müssen auch an die anderen welche und dabei kannst du helfen, aber vorsichtig, dass kein Schnee abfällt!”
Der Alte half, obgleich er nicht wusste, warum. Aber es machte ihm schließlich Spaß, und als die ganze kleine Tanne voll mit rotbäckigen Äpfeln hing, da trat er fünf Schritte zurück, lachte und sagte: “Kiek, wie niedlich das aussieht! Aber was hat das alles für`n Zweck?”
“Braucht denn alles gleich einen Zweck zu haben?” lachte das Christkind. “Pass auf, das wird noch schöner. Nun gib mal Nüsse her!”
Der Alte krabbelte aus seiner Kiepe Walnüsse heraus und gab sie dem Christkindchen. Das steckte in jedes ein Hölzchen, machte einen Faden daran, rieb immer eine Nuss an der goldenen Oberseite seiner Flügel, und dann war die Nuss golden, und die nächste an der silbernen Unterseite seiner Flügel, und dann hatte es eine silberne Nuss, und hing die zwischen die Äpfel.
“Was sagst nun, Alterchen?” fragte es dann, “ist das nicht allerliebst?”
“Ja”, sagte der, “aber ich weiß immer noch nicht ……. “Kommt schon!”, lachte das Christkindchen, “hast du Lichter?”
“Lichter nicht”, meinte der Weihnachtsmann, “aber `n Wachsstock!”
“Das ist fein”, sagte das Christkind, nahm den Wachsstock, zerschnitt ihn und drehte erst ein Stück um den Mitteltrieb des Bäumchens und die anderen Stücke um die Zweigenden, bog sie hübsch gerade und sagte dann: “Feuerzeug hast du noch?”
“Gewiss”, sagte der Alte, holte Stein, Stahl und Schwammdose heraus, pinkte Feuer aus dem Stein, ließ den Zunder in der Schwammdose zum Glimmen kommen und steckte daran ein paar Schwefelspäne an. Die gab er dem Christkindchen. Das nahm einen hellbrennenden Schwefelspan und steckte damit erst das oberste Licht an, dann das nächste davon rechts, dann das gegenüberliegende, und rund um das Bäumchen gehend, brachte es so ein Licht nach dem andern zum Brennen.
Da stand nun das Bäumchen im Schnee; aus seinen halbverschneiten dunklen Gezweig sahen die roten Backen der Äpfel, die Gold – und Silbernüsse blitzten und funkelten, und die gelben Wachskerzen brannten feierlich. Das Christkindchen lachte über das ganze rosige Gesicht und patschte in die Hände, der alte Weihnachtsmann sah gar nicht mehr so brummig aus, und der kleine weiße Spitz sprang hin und her und bellte.
Als die Lichter ein wenig heruntergebrannt waren, wehte das Christkindchen mit seinen goldsilbernen Flügeln, und da gingen die Lichter aus. Es sagte dem Weihnachtsmann, er solle das Bäumchen vorsichtig absägen. Das tat der, und dann gingen beide den Berg hinab und nahmen das bunte Bäumchen mit.
Als sie in den Ort kamen, schlief schon alles. Beim kleinsten Hause machten die beiden halt. Das Christkindchen machte leise die Tür auf und trat ein; der Weihnachtsmann ging hinterher. In der Stube stand ein dreibeiniger Schemel mit einer durchlochten Platte, den stellten sie auf den Tisch und steckten den Baum hinein. Der Weihnachtsmann legte dann noch allerlei schöne Dinge, Spielzeug, Kuchen, Äpfel und Nüsse unter den Baum, und dann verließen beide das Haus ebenso leise, wie sie es betreten hatten.
Als der Mann, dem das Häuschen gehörte, am anderen Morgen erwachte und den bunten Baum sah, da staunte er und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Als er aber an den Türpfosten, den des Christkinds Flügel gestreift hatte, Gold – und Silberflimmer hängen sah, da wusste er Bescheid. Er steckte die Lichter an dem Bäumchen an und weckte Frau und Kinder.
Das war eine Freude in dem kleinen Hause, wie an keinem Weihnachtstage. Keines von den Kindern sah nach dem Spielzeug und nach dem Kuchen und den Äpfeln, sie sahen nur nach dem Lichterbaum. Sie fassten sich an den Händen, tanzten um den Baum und sangen alle Weihnachtslieder, die sie wussten, und selbst das Kleinste, was noch auf dem Arme getragen wurde, krähte, was er krähen konnte.
Vor dem Fenster aber standen das Christkindchen und der Weihnachtsmann und sahen lächelnd zu. Als es helllichter Tag geworden war, da kamen die Freunde und Verwandten des Bergmanns; sahen sich das Bäumchen an, freuten sich darüber und gingen gleich in den Wald, um sich für ihre Kinder auch ein Weihnachtsbäumchen zu holen. Die anderen Leute, die das sahen, machten es nach, jeder holte sich einen Tannenbaum und putzte ihn an, der eine so, der andere so, aber Lichter, Äpfel und Nüsse hingen sie alle daran.
Als es dann Abend wurde, brannte im ganzen Dorfe Haus bei Haus ein Weihnachtsbaum, überall hörte man Weihnachtslieder und das Jubeln und Lachen der Kinder.
Von da aus ist der Weihnachtsmann über ganz Deutschland gewandert und von da über die ganze Erde. Weil aber der erste Weihnachtsbaum am Morgen brannte, so wird in manchen Gegenden den Kindern morgens beschert.

„Tasterreflex auf…“, er nannte ein paar Zahlen, „Nicht natürlichen Ursprungs, Bewegungsrichtung nach…“ wieder Zahlen, „ …kontinuierlicher Geschwindigkeitsaufbau. Für eine genaue Ortung ist die Entfernung noch zu groß. Aber die Masseangabe stimmt nicht mit den Werten des Alienraumers überein.“

Noch ein fremdes Raumschiff?

Kommandant und erster Offizier schauten sich an. Der Pilot hatte den Antrieb anfahren lassen und wartete auf den Befehl zum Start. Aber der kam nicht.

„Orter. Wohin führt der Kurs genau? Extrapolieren sie so weit wie möglich.“

„Dicht am dritten äußeren Planenten vorbei. Mit zweimaligem Durchflug des Trümmerringes. Dann kernauswärts aus dem System. Und zwar mit einem Winkel von 112 Grad von unserer Position.“

Nachdenklich kratzte sich der Kommandant am Kinn und flüsterte seinem Stellvertreter etwas zu. Der nickte, schien aber nichts zu antworten.

„Pilot, Antrieb hochfahren und langsamen Kurs auf die Position, wo der Alien zum ersten Mal geortet wurde. Ich habe das Gefühl, unser ‚Freund’ will uns mal wieder in eine Falle locken oder uns drängen, dass wir dieses System verlassen. Haben wir Daten über das flüchtige Schiff? Haben die vielleicht Beiboote an Bord?“

„Unsere Daten über die Aliens sind mehr als dürftig. Der Schiffstyp dort draußen ist in den Datenbanken überhaupt nicht vorhanden. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass dieser Raumer ein Beiboot besitzt, zumindest keines mit dermaßen hohen Beschleunigungswerten. Das erfordert eine gewisse Maschinengröße und folglicherweise ein entsprechend großes Schiff.“

Der erste Offizier schaute wieder von seinem tragbaren Computer hoch und seinen Vorgesetzten an. Dieser wiederum drehte sich zum Piloten um.

„Auf einen halben Sublicht erhöhen. Waffenmeister, bereiten sie eine Sonarbombe vor. Bei Erreichen der äußersten Waffendistanz die Bombe abfeuern und an der Stelle detonieren lassen, an der die Ortung den Alien ausgemacht hat. Ebenso feuern sie Raumminen ab und zwar mit kugelförmiger Entfaltung um die Detonation der Sonarbombe. Minimalste Verzögerung, Entfernung zum Mittelpunkt 3000 Kilometer. Pilot: zum Zeitpunkt des Abfeuerns auf Minimalfahrt gehen.“

Endlich gibt es wieder etwas zu tun. Diese Warterei zerrt wirklich an den Nerven.

Der Pilot sah auf sein Steuerpult und nahm eine Verbundschaltung mit der Waffenstation vor, so dass der Antrieb sofort nach Abfeuern der Sonarbombe Gegenschub gab und das Schiff auf die, vom Kommandanten angeordnete, Geschwindigkeit verlangsamte.

Die Stimme des Orters zerschnitt die angespannte Ruhe in der Zentrale:

„Der erste Ortungsimpuls liegt kurz hinter dem dicken Trümmerstück in Raster 25.“

Der entsprechende Ausschnitt wurde in vergrößerter Form auf dem Hauptbildschirm dargestellt. Rechts unterhalb des großen Asteroiden wurden Daten eingeblendet. Danach war dieses Trümmerstück wirklich ‚dick’. Auf jeden Fall groß genug, dass sich dahinter ein Raumschiff verstecken konnte.

„Irgendetwas stört mich,“ meinte der erste Offizier, „der Alien kann sich doch denken, dass wir genau das tun, was wir gerade machen. Bis jetzt hat er gezeigt, wozu er in der Lage ist. Und dazu gehört auch zwei bis drei Schritte weiter zu denken. Das erscheint mir zu einfach.“

Nickend nahm der Kommandant den Einwand zur Kenntnis, sagte aber ansonsten nichts.

Unter dem Piloten vibrierte der Boden leicht, als die Minen abgeschossen wurden. Die Sonarbombe hatte bereits vorher – unbemerkt – ihr Trägerschiff verlassen. Zeitgleich hatte das Schiff verlangsamt und ‚kroch’ jetzt vorwärts. Kurze Zeit später schlugen sämtliche Ortungstaster aus, als die Sonarbombe explodierte.

Eigentlich handelte es sich gar nicht um eine Bombe. Das kugelförmige Gebilde platzt an den angegeben Koordinaten auseinander und setzt massive – auch überdimensionale – Störstrahlen frei, welche gegnerische Sensoren kurzfristig lahm legen sollten.

Mit kaum merklichem Unterschied detonierten die Raumminen an ihrer vorgesehenen Stelle. Als das Licht der Explosionen das Raumschiff erreichte, verdunkelte sich automatisch der Bildschirm, ansonsten hätte die Zentralbesatzung einige Zeit eklatante Sehstörungen erdulden müssen. Der Bereich, in dem die Raumminen explodierten, hüllte sich in ein Gemisch aus Licht, Gasen und Trümmerbrocken. Farbige Feuerkaskaden sprangen aus der Explosionswolke hervor, griffen nach benachbarten Asteroidenstücken und zermahlten diese, fraßen sie auf, zerschmolzen sie.

Und mitten aus der Explosion stachen rote Finger nach dem Schiff des Piloten, hämmerten in den Schutzschirm und wurden zurückgeworfen. Die mechanische Energie der Schutzschirmeinschläge machte sich in der Zentrale akustisch bemerkbar. Da alle Besatzungsmitglieder schon seit Beginn der Raumschlacht ihre Schutzanzüge trugen, fuhren jetzt nur noch die Helme aus den Krägen und legten sich schützend über ihre Träger. Gleichzeitig schaltete sich der Bordfunk ein. Nun konnte man sich trotz des tobenden Lärms verständigen.

Allerdings sagte zurzeit niemand ein Wort. Denn das sie mitten aus der Explosionswolke heraus beschossen wurden, war so gut wie unmöglich.

Der Pilot zog das Schiff zur Seite weg und die Energiestrahlen schossen an ihnen vorbei, hörten dann kurz auf, erschienen erneut und wanderten ihnen dann nach.

„Wieso Namen hat er die Explosion überlebt. Und wieso kann er mitten aus der Detonation heraus auf uns feuern?“

Die Stimme des Kommandanten  klingt ein wenig zitternd. Wenn nicht sogar ängstlich. Dachte der Pilot bei sich, als er sein Schiff weiter zur Seite zwang und dabei den Antrieb hochfuhr. Unterdessen jagte der Waffenmeister diverse Strahlen und Raketen in die Wolke, die sich auflöste.

Auf Nachfrage entgegnete der Orter:

„Ich habe ihn. Hinter dem großen Trümmerstück war ein zweites. Dazwischen muss er gewesen sein, als die Minen explodiert sind. Die Asteroiden haben in vermutlich geschützt. Danach scheint er in die Gaswolke geflogen sein und feuerte auf unsere letzte, ihm bekannte Position.“

„Waffenmeister, eine Rakete mit Atomsprengkopf Klasse 3“

„Verzeihung Kommandant aber das erscheint mir zu gefährlich. Die Explosion wäre uns zu nahe.“

„Ich will die Rakete auch nicht auf ihn feuern!“ Wütend schaute der Kommandant seinen Vertreter an. „Aber wir machen dem Ganzen hier und jetzt ein Ende. Dieser verdammte Alien hat uns schon genug Zeit gekostet!“

Dann wandte er sich wieder an den angesprochenen Waffenmeister:

„Die Rakete mit einem Vorsprengkopf ausstatten. Dann feuern sie auf einen großes Trümmerstück in der Nähe des Alien. Vorsprengung bei Aufschlag. Hauptdetonation eine Sekunde später. Die Explosionstrümmer, die in seinen Schutzschirm fliegen werden, sollten ihn zumindest für kurze Zeit irritieren und blenden. Dann Wirkungsfeuer mit allen Waffen, Selbst wenn uns das kurzzeitig Energie aus dem Antrieb und dem Schirm nehmen sollte.“ Er sah kurz auf die Anzeige an seinem Bildschirm. „Die Schirme halten seinem Feuer im Moment noch mühelos stand. Fangen sie an!“

Fast so groß wie ein kleines Beiboot verließ die Trägerrakete mit einem Röhren den Schiffsleib und strebte dem anvisierten Asteroidenstück zu. Im Vergleich zu dem was dann folgte, war die Explosion der Raumminen zuvor nur eine kleine Verpuffung. Selbst durch die immer noch vorhandene Filterung auf dem Bildschirm schmerzte das grelle Blitzen in den Augen. Im Stakkato schlugen abgesprengte Brocken des Zieles in den Schutzschirm ein. Sämtliche Taster schlugen aus, als die Atomexplosion – nicht durch eine Atmosphäre gebremst – in einer Kettenreaktion mehr und mehr Asteroiden auffraß. Und durch den ganzen Lärm und das Licht hindurch quälte sich die Stimme des Orters: „Da ist er! Markierung erfolgt!“

Ohne Steuerung und Antrieb trudelte der Alienraumer, sich drehend und rollend, von der Explosion weg. Und dann erfassten ihn mehrere Raketen und Energiestrahlen. Zerrten an seinem Schutzschirm, der aufflackerte und erlosch. Seine metallene Hülle bot wenig Schutz und setzte den zerstörerischen Waffen nur wenig Widerstand entgegen, als sie in den Schiffskörper eindrangen. Und plötzlich war es vorbei. Stille in der Zentrale. Die letzten Materiereste des Feindschiffes trudelten in alle Richtungen davon, prallten mit Asteroiden zusammen, strebten dem offenen Weltraum entgegen oder wurden von den Ausläufern der Atomexplosion verschluckt.

Es ist vorbei. Endlich ist es vorbei.

Der Pilot stoppte das Schiff, unschlüssig, welchen Kurs er ohne Anweisung einschlagen sollte. Alle starrten auf den Bildschirm, der gar nicht in der Lage war, wirklich emotional wiederzugeben, was dort draußen geschehen war.

Langsam drehte sich der Kommandant in seinem Sitz um und schaute seine Untergeben einem nach den anderen an.

„Danke Männer, ihr habt eine gute Leistung vollbracht. Pilot, setzen sie einen Kurs zur Flotte.“ Dann drehte er sich wieder um und starrte gedankenverloren auf den Hauptbildschirm.

Automatisch tippte der Pilot seine Kursangaben in den Navigationsrechner, setzte die Startsequenz in Gang und lehnte sich, als das Schiff herumschwang um das Sonnensystem zu verlassen, in seinem Sitz zurück.

Wir müssen Angst haben. Wenn die Aliens anfangen alle so findig zu werden wie dieser Kommandant und sie in der Lage sind bessere Schiffe und Waffen zu bauen, dann wird unser Volk ausgelöscht werden.

Mit Ekel dachte der Pilot an die Bilder, die man ihnen von den Aliens gezeigt hatte. Widerwärtige, hochaufragende und haarlose Körper. Unförmige, waagerechte Mundöffnungen mit breiten Beißwerkzeugen. Dem Piloten drehte sich beim bloßen Gedanken an die bösartigen, alles zerstörenden, sich ungebremst vermehrenden und aggressiven Aliens der Magen um. Allein schon wie sie sich selbst nannten, ein in der Sprache seines Volkes kaum auszusprechender Name:

MENSCHEN!

“Kind”, sagte am Vortage des Weihnachtsfestes meine gute Mutter zu mir, “Kind, geh, bring dem alten Christian seine Kuchenstolle und dies Paket. Sag, ich ließ` ihn schön grüßen, und er möchte das Fest und das neue Jahr gesund und ruhig verleben. Diesmal wär` zuviel Arbeit, ich könnt` nicht selber abkommen.”
Ich blickte etwas erstaunt und beunruhigt aus meinem Buche auf. Ich kannte den mürrischen alten Waldhüter recht gut; wie oft hatte ich mich als kleines Mädchen vor seinem großen, rostigen Schnurrbart gefürchtet, wenn er uns beim Beerensuchen auf verbotenen Plätzen überraschte und uns mit seinem Brummbass aufschreckte und davonjagte.
Jetzt freilich hatten wir ihn nicht mehr zu fürchten, denn er war schon seit etwa zwei Jahren pensioniert. Mach dem Tode des alten Försters, dem er sehr ergeben war, hatte auch er um seine Entlassung gebeten. Das Reißen in den Füßen sei zu arg, meinte er, er könne nicht mehr stundenlang im Walde umherlaufen; und mein Vater, der Arzt im Städtchen war,
hatte ihm das gewünschte Attest ausgestellt.

Seitdem hatten wir einen neuen Förster und einen neuen Waldhüter, und beide nahmen es nicht so genau mit uns Kindern. Der alte Christian Merkenthin aber zog zur Witwe Klemm draußen in der Vorstadt, die dem Walde am nächsten lag, und ließ sich selten blicken.
Meine Mutter, der meine Unruhe nicht entgangen war, lächelte: “Geh nur, Kind, er ist in seiner Stube anders, als du ihn sonst kennst, und du bist schon groß und verständig genug, um deine Freude an dem prächtigen alten Mann zu haben.”
Ich nahm meinen Mut zusammen, als ich die gute Mutter so reden hörte, klappte mein Buch zu, langte Hut und Mantel vom Riegel und machte mich gehbereit.
“Wenn du dem Christian ein wenig Gesellschaft leisten willst, kannst du das gern tun”, sagte meine Mutter noch, indem sie mir sorglich die Pakete in den Arm legte, “um sechseinhalb Uhr wird beschert, da musst du wieder hiersein.”
Ich nickte still, sagte ihr lebewohl und ging mit leiser Neugier im Herzen und etwas Bangigkeit die Hauptstraße der Stadt hinunter.
Ich beschleunigte meine Schritte und war bald aus der Häuserreihe heraus.
Die Wiesen, die sich bis zum Waldrande ausbreiteten, lagen im tiefen Schnee, und auf den kahlen Ästen der Kirschbäume, die die Chaussee begrenzten, hockten und flatterten Hunderte von Krähen, die wohl vergebens nach Futter suchten.
An den beiden verschneiten Kornmühlen vorbei, die leise im Winde knarrten, kam ich mit rotgefrorener Nase und steifen Fingern endlich bei dem Häuschen der Witwe Klemm an, wo mich ein kleiner schwarzer Spitz mit wütendem Gebell ansprang. Die Frau des Hauses, die auf sein Kläffen herauskam, rief ihn zurück und maß mit großen Augen den unerwarteten Besuch. Auf meine Bitte führte sie mich jedoch bereitwillig die steile Holztreppe hinan auf den kleinen, mit frischem Sand bestreuten Flur, wo sie an eine der Türen klopfte. Ohne lange das Herein abzuwarten, öffnete sie, steckte den Kopf in die Spalte und meldete: “Eine kleine Jungfer wünscht Euch zu sprechen, Herr Merkenthin”, worauf sie die Tür weit aufsperrte und mit einem schnellen neugierigen Blicke verschwand.
Dichter Tabaksqualm umfing mich, als ich zögernd näher trat und die Tür hinter mir zuzog; und zuerst sah ich weiter nichts als die mir wohlbekannte, aufrechte Gestalt mit der Jagdjobbe und den hohen Wasserstiefeln, die er, wie ich sah, auch im Hause trug. Auf sein knurriges, doch nicht gerade unfreundliches: “Na, was bringst du denn?” kam ich mutig näher und legte mein Pakete auf den Tisch.
“Das schickt Euch Mutter, Herr Merkenthin, und Ihr möchtet es nicht übelnehmen, wenn sie diesmal nicht selber käme, es wäre zuviel im Hause zu tun.”
Der Alte hatte unterdessen die Stolle ausgewickelt und die Strickjacke und die Strümpfe mit kritischen Blicken gemustert. Die Besichtigung schien zu seiner Zufriedenheit ausgefallen zu sein, denn er legte alles wie zärtlich unter den kleinen Tannenbaum, der auf einer weißen Serviette auf der Kommode stand, versenkte sich in die Betrachtung seiner Schätze oder hing sonst seinen Gedanken nach; jedenfalls schien er meine kleine Anwesenheit ganz vergessen zu haben.
Meine Augen hatten sich indessen an den Rauch gewöhnt, und ich ließ sie nun in dem kleinen Zimmer umherwandern.
Die Wand, an der ich lehnte, wurde fast ganz von einem großen schwarzen Ledersofa ausgefüllt, das mit seinem eingesunkenen Sitz und seinen breiten Armlehnen gewiss von Urgroßmutters Zeiten herstammte. Neben mir, auf einer der Lehnen, lag eine große graue Katze zusammengerollt und schlief. Ich streichelte ihr dickes Fell, da erhob sie sich langsam, machte einen Buckel und gab mir deutlich zu verstehen, dass sie noch mehr gestreichelt sein wollte. In demselben Augenblick flatterte etwas über mir, und als ich hochsah, kam ein größerer Vogel und setzte sich auf meine Schulter.
Der alte Christian drehte sich um und brummte: “Magst du Tiere leiden, kleine Doktorn?” Ich nickte eifrig und stand ganz still, um den kleinen Gast auf der Schulter nicht zu verscheuchen. Des Alten Stimme wurde jetzt etwas sanfter: “Ich mag eigentlich keine Vögel im Zimmer; was in den Wald gehört, soll im Walde bleiben, aber der Bengel will nicht wieder fort, trotzdem der gebrochene Flügel lange auskuriert ist. Es ist ein Star und ein kluger Vogel”, fügte er hinzu, und ich sah, wie seine Augen liebevoll nach dem Tierchen hinblickten.
Oh, mein Peter weiß schon, wie weit er gehen darf”, knurrte der Alte, “und allein lass` ich die beiden nicht, einer von ihnen spaziert in die Küche, wenn ich fortgehe; aber nun setz dich doch auf das Sofa, du hast einen weiten Weg gehabt in der Kälte, ich will dir was Warmes zu trinken holen.” Er verschwand durch die Tür, und ich streichelte abwechselnd den Vogel, der ruhig auf meiner Schulter blieb, und die Katze, die sich wohlig an meinem Ärmel rieb. Eine geschnitzte Wanduhr tickte laut, und über mich kam ein warmes Gefühl von Heimlichkeit und Weihnachtsfreude. Die Tannenzweige, die hinter dem kleinen Spiegel über der Kommode steckten, und das mit weißen Lichtern geschmückte Bäumchen verbreiteten einen lieben Duft, selbst der Tabaksqualm kam mir nun recht gemütlich vor.
Christian kam mit einem Glase Grog aus der Küche; legte einen Pfefferkuchen auf ein vergoldetes Tellerchen, das er aus der obersten Kommodenschublade nahm, und reichte mir beides. Der alte Mann sah recht hilflos und ungeschickt dabei aus, aber mir gefiel es, und mein junges Herz fing an, den bärbeißigen Geber zu verstehen und zu lieben, wie nur Kinder lieben können, schnell und unmittelbar. Ich wollte ihm eigentlich sagen, dass uns solche Getränke verboten seien, fürchtete aber ihn zu kränken und schwieg. Tapfer trank ich die scharfe heiße Brühe, im stillen hoffend, dass meine Eltern es mir verzeihen würden. War ich doch damals schon zwölf oder dreizehn Jahre alt und begriff, dass Recht und Unrecht nicht so leicht zu sondern sind wie Äpfel und Nüsse, und dass man sein Herz so erziehen muss, dass es ohne große Mühe das kleinere Unrecht und das größere Recht herausfühlt.
Der alte Christian sah befriedigt zu, wie ich schluckweise trank und meinen Pfefferkuchen mit der Katze und dem Star teilte. Plötzlich sagte er: “Hast du Zeit, eine Stunde mit mir in den Wald zu gehen? Du kannst mir tragen helfen.” Ich nickte und sah ihn erwartungsvoll an. “Nun ja”, fuhr er fort, als er meine fragenden Augen sah, “nun ja, die Kreatur soll doch auch wissen, dass Weihnachten ist.” Damit nahm er den Starmatz von meiner Schulter, ging in die Küche, und ich hörte an seinem Zureden, dass er den Vogel in sein Bauer sperrte.
Mir brannten die Backen vor Freude; ich ahnte wohl, was der alte Waldhüter, der sein halbes Leben in Gemeinschaft mit den Tieren des Waldes zugebracht hatte, tun wollte, und ich war glücklich, dieser seltsamen Bescherung beiwohnen zu dürfen. War ich doch von klein auf daran gewöhnt, auch die Tiere als Gottesgeschöpfe zu betrachten, sie zu schonen und zu lieben, wie ein erwachsener Bruder seine unmündigen Geschwister schonen und lieben soll.
Als der alte Christian gleich darauf mit seiner Pelzmütze, den Wasserstiefeln und einem Sack über der Schulter wieder in die Wohnstube trat, glich er ganz und gar dem Weihnachtsmann aus dem Märchen, und ich ließ mir wie im Traum den vollgepackten Henkelkorb über den Arm hängen. Er nahm noch einen Spaten und mehrere Tannenzweige mit und schritt mir voran und die Treppe hinab. “Adjes, Frau Klemm”, rief er durch die halboffene Küchentür seiner Wirtin zu, “in ein bis zwei Stunden bin ich wieder da.” – “Gut, Herr Merkenthin”, klang es zurück, und ich ging und öffnete die Haustür.
Der Spitz ließ uns mit leisem Knurren passieren. “Die Menschen sind auch misstrauisch, warum sollte es das Viehzeug nicht sein”, sagte mein Begleiter, “ihm kommt noch mehr Übles zu als unsereinem”, und damit schritten wir der ungefähr eine Viertelstunde entfernten Schonung zu.
Die Sonne neigte sich schon tief nach Westen und stand wie eine dunkelrote Scheibe am Himmel; ein kühler Wind strich über die Felder. Wir mussten am Ortskirchhof vorbei, und mein Blick streifte die in tiefen Schnee gebetteten Gräber. Nie war ich bisher im Winter hierher gekommen; ich kannte den Kirchhof nur voller Grün und Blumen, und eine Ahnung von der Feierlichkeit alles Gewesenen streifte meine junge Seele.
Der alte Christian war stehengeblieben. “Warte ein paar Minuten”, sagte er, “ich bin gleich wieder hier.” Damit stellte er den Sack neben mich, nahm den Spaten und die grünen Zweige und verschwand hinter der eisernen Pforte. Ich sah ihm nach. Ein Schwarm Krähen flog bei seinem Eintritt in die Höhe, und ich verfolgte mit meinen Blicken die Vögel, wie sie krächzend dem Walde
zuflogen.
Ob die Tiere auch etwas vom Tode wussten? …
Aus dem Hause des Totengräbers, der ein Stück weiter die Straße hinauf wohnte, klang plötzlich doppelstimmig: “O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit”, und mein bewegliches Kinderherz streifte mit einem Lächeln die kleine Wehmut ab und wurde wieder hell und weihnachtsfröhlich, als gäbe es keine Kirchhöfe und keine hungrigen Krähen mehr auf der Welt.
Jetzt kam auch der alte Christian zurück, aber ohne die grünen Zweige. “Hab` meiner guten Frau und der kleinen Käte da drin bloß sagen wollen, dass ich am Weihnachtsabend an sie denke”, brummte er, nahm ohne mich weiter anzusehen seinen Sack auf und ging etwas schneller als vorher dem Walde zu.
Ich ließ ihn vorausgehen und horchte auf den Klang des Weihnachtsliedes, der noch eine ganze Weile mit uns mitging; mir war, als wäre ich in der Kirche. Ich hätte dem alten Manne, der seine liebsten Menschen hatte begraben müssen und nun allein unter dem Weihnachtsbaum stehen würde, so herzlich gern etwas Liebes gesagt; aber ich wusste nicht, wie ich das beginnen sollte, und so ging ich schweigend hinter ihm her. Unvermutet kam mir da meine liebe Mutter in den Sinn; ich begriff, warum sie gerade dem alten Christian heut eine Herzensfreude bereiten wollte, und eine große Dankbarkeit überkam mich, ein neues schönes Gefühl von Liebe und Erkenntnis.
Der Wald, der sich jetzt vor uns ausbreitete, kam mir in seiner weißen Einsamkeit fast schöner vor als im Sommer. Der Wind hatte sich gelegt, wir hörten nur den weichen Ton unserer Schritte und dann und wann ein leises Knacken im Holze, das von dürren Ästen herrührte, denen die Schneelast zu schwer geworden war.
Christian bleib stehen: “Nun wollen wir unsere Weihnachtstische herrichten”, sagte er, nahm seinen großen Sack von der Schulter und band ihn auf. Was da nicht alles zum Vorschein kam! Hammer und Zange, Bindfaden und Nägel, Messer und Schere; und wozu er wohl alle die Strohmatten und zugespitzten Stäbe brauchen würde, die er aus den Tiefen des Sackes hervorholte. Meine Neugierde sollte bald gestillt werden, denn ich musste meinen Korb hinsetzen und ihm bei seiner wunderlichen Arbeit behilflich sein.

Da, wo dichtes Astwerk den Schnee abgefangen hatte, so dass der Boden nur wenig damit bedeckt war, bauten wir unsere Speisekammern. Zwei Ecken einer Matte banden wir etwa meterhoch an einem Baumstamm fest, während die beiden anderen Ecken auf zwei in der Nähe eingebohrten Pfählen befestigt wurden.
So entstand ein gedeckter kleiner Raum, der den hungrigen Tieren gut zugängig war. Wir säuberten ihn vollends vom Schnee, und nun kam auch mein Korb und sein Inhalt an die Reihe. “Hier am Waldrand hält sich Meister Lampe gern auf”, sagte der alte Christian; dabei langte er Kohlblätter und Rüben aus dem Korbe, um sie dem Häschen aufzubauen und in etwas seinen Winterhunger zu stillen. “Es ist ein Jammer, wieviel Gutes unnütz auf dem Kehrichthaufen verkommt”, fügte er hinzu, “wo doch soviel dankbares kleines Gesindel in der Welt umherläuft; ja, ja, der Mensch denkt kaum an seinesgleichen, wie sollte er der Kreatur gedenken.” – Ich nickte
ernsthaft und nachdenklich, und dann gingen wir weiter.
Alle fünfhundert Schritt etwa schufen wir ein neues
Tischlein-deckdich. Aber nicht bloß für die Hasen, auch für die

Vögel wurde liebevoll gesorgt. Futterkästen mit allerlei Samen, Sonnenblumen- und Kürbiskernen wurden in Ast und Strauch untergebracht; Talgklöße und Speckschwarten, ja ein paar Gänsegerippe und Bratenkeulen mussten sich die Bäume aufbinden lassen. “Die sind für die Meisen und Spechte, auch für die Rotkehlchen und das andere kleine Viehzeug, denen der Flug übers Meer zu weit ist”, meinte der Christian; “hoffentlich naschen ihnen die Krähen und Dohlen nicht das Beste weg. Aber die wollen ja auch leben”, fügte er leise hinzu, “auch dem Bösesten knurrt der Magen, ja, wenn der Hunger nicht wäre, wenn der Hunger nicht wäre!”
So stapften wir weiter durch den dichten Schnee, und während unser Gepäck immer leichter wurde, wurden unsere Herzen immer heller und weihnachtsfreudiger, und ich weiß nicht, wie es kam, plötzlich war mir das schönste Lied auf den Lippen, und ich sang es leise vor mich hin:
“Es ist ein Reis entsprungen aus einer Wurzel zart …”
Der Alte hörte andächtig zu, und als es zu Ende war, wiederholte er: “Mitten im kalten Winter – ja, mitten im kalten Winter, da blüht`s oft drinnen am besten auf, aber das wirst du noch nicht verstehen, kleine Doktorn.”
Nein, ich verstand es damals noch nicht, jedoch ich fühlte, dass der alte Christian was Liebes damit meinte, und fasste nach seiner alten runzligen Hand.
Das Schönste vom Tage sollten wir aber noch erleben. In einer Lichtung stand plötzlich ein großer Hirsch vor uns, und mehrere junge Hirsche und Hirschkühe kamen hinter ihm her. Er hob den Kopf mit dem schönen Geweih und sah uns klug und furchtlos an. Auf das leise Pfeifen des Alten kam er zutraulich näher und das ganze Rudel mit ihm. Wir warfen ihnen Brot und Kartoffeln zu, die sie sogleich verzehrten, ja, der große Hirsch wurde so dreist, dass er aus meiner ausgestreckten Hand ein Stück Brot nahm, und ihr könnt euch gewiss denken, wie sehr ich mich darüber freute.
“Es ist Schonzeit, da weiß die Kreatur, dass sie was riskieren kann”, brummte der Alte; aber auch aus seinen umbuschten grauen Augen zuckte die Freude über das hübsche Bild.
Das schrille Geläute eines Schlittens, der auf der nahen Landstraße daherkam, ließ unsere lieben Gäste jäh auffahren und die Flucht ergreifen. Ich sah ihnen bedauernd nach. “Sie finden schon wieder her, kleine Doktorn”, sagte Christian, “hier ist seit vielen Jahren ihr Futterplatz.”
Nun sah ich erst, dass etwa hundert Schritt von uns ein kleines festes Strohdach auf Pfählen aufgerichtet war und dass noch geringe Futterreste verstreut umherlagen. Mein Begleiter nahm aus dem Korbe reichlich Rosskastanien, Eicheln, getrocknete Lupinen und das noch übrige Brot und baute es dem Wilde als Weihnachtsgabe auf.
“Kommen die Rehe auch hierher?” fragte ich und hoffte im stillen, auch diesen hübschen Tieren nahbei sehen zu dürfen. “Nein, denen müssen wir woanders bescheren”, meinte der Alte, “die haben eine feine Nase und lieben den Hirschgeruch nicht. Und kiesätig ist die Bande auch”, fügte er hinzu, “wenn sie nichts Grünes mehr finden, fressen sie höchstens ein bisschen Korn und feines Heu, na, sie sollen auch ihr Teilchen kriegen. Aber aus der Hand werden sie dir wohl kaum fressen, du kleine Hexe, es ist ein furchtsamer Chor; komm, ich weiß die Stellen, wo sie gern äsen, sie sollen heute auch extra Leckeres haben.”
Wir gingen noch etwas tiefer in den Wald und fanden bald an einer ziemlich versteckten Lichtung Spuren von Rehwild und einen ähnlichen Futterplatz wie zuvor. Hier legen wir Korn und Heu nieder und verhielten uns eine Weile mäuschenstill; die kleinen Gäste wollten sich aber nicht blicken lassen.
“Morgen früh werden sie die Bescherung schon finden”, schmunzelte der Alte und band noch den Rest unserer Vorräte für die Vögel in die Bäume.
Es war auch mittlerweile Zeit geworden, an den Heimweg zu denken.
Die Sonne war lange untergegangen, und nur der Schnee leuchtete uns aus dem Dickicht hinaus. Es war empfindlich kalt geworden, ich schlug den Mantelkragen hoch und steckte die fast erstarrten Hände in die Ärmel.
“Komm nur, kleine Doktorn”, tröstete mich mein Begleiter, “der Schneiderwirt wohnt nicht weit von hier, der hat einen feinen Schlitten, und hastenichtgesehen sind wir zu Hause, das wäre doch ein extra Weihnachtsspaß, wie?” Und damit zog er mich frierende kleine Person durch das Gewirr der Stämme auf nur ihm bekannten Pfaden vorwärts, und bald waren wir auf der Landstraße. Hier grüßte uns schon von weitem das grüne Licht einer Laterne, die zum Wirtshaus zum Bären gehörte. Peter Holtzen, ein früherer Schneider, hauste darin, und man nannte ihn in der ganzen Gegend den Schneiderwirt.
Wir traten mit Behagen in die warme Wirtsstube, und die gute Mutter Holtzen zog mir gleich die nassen Schuhe und Strümpfe aus und hing sie über die Messinghaken, die in den riesigen grünen Kachelofen eingeschraubt waren. Meine nackten Füße steckte sie in warme Pantoffeln, brachte mir eine Tasse heiße Milch, und nach ein paar Minuten wusste ich nichts mehr von Frost und Kälte.
Der alte Christian trank ein Glas Warmbier, rauchte dazu sein Pfeifchen und plauderte mit Peter, dem Schneiderwirt, über die Schlachten bei Wörth und Sedan, und wie kalt es in jenem Winter gewesen war; ich hörte den beiden alten Soldaten mit Interesse zu.
“Bist `ne wackre Dirn”, sagte der alte Christian zu mir, als wir eine halbe Stunde später in dem hübschen Wirtsschlitten unter lustigem Geläute nach Hause fuhren, “bist `ne wackre Dirn, kleine Doktorn, ich ließ das Vater und Mutter extra bestellen und viele Grüße und schönen dank dazu!” Damit sprang er vor seiner Tür aus dem Schlitten, winkte noch mal mit der Pfeife, und der Kutscher fuhr weiter meinen elterlichen Hause zu.
Ich lief die Treppe hinauf und fiel meiner Mutter um den Hals. Mein Herz war zu voll; erst nach und nach konnte ich von allem erzählen. Aber nie zuvor hatten mir die Lichter am Tannenbaum so hell gestrahlt, und nie zuvor hatte ich Eltern und Geschwister so lieb gehabt wie an diesem Weihnachtsabend!
Zwischen dem alten Christian und mir entspann sich seit jenem Tage eine wirkliche Freundschaft, die bis zum Tode des alten Mannes dauerte. Oft saß ich an freien Nachmittagen in seinem Stübchen, las ihm die Zeitung vor oder beschäftigte mich mit seinen Haustieren, für die ich meist diesen oder jenen Leckerbissen bereit hielt.
Am Tage vor Weihnachten aber gingen wir regelmäßig in den Wald, um die Tiere zu füttern, und ich sammelte schon Wochen vorher für unsere Lieblinge.
Manch ein echtes und kluges Wort ist damals aus dem Munde des alten Christian in meine Seele geglitten und hat dort eigene Weihnachtskerzen angezündet, die hell und lieblich auf meinen Lebensweg leuchteten.

- Paula Dehmel -

Die Aliens folgten einer einfachen militärischen Doktrin: Sie wussten, dass sie den Schiffen seines Volkes im Kampf eins zu eins unterlegen waren und griffen deshalb immer mit einer absoluten Überzahl an. Schrumpfte diese Übermacht auf unter eins zu acht zusammen, zogen sie sich zurück (was in diesem Krieg nicht oft vorkam). Wenn sie dann aber erkannten, dass eine Flucht nicht mehr möglich war, stellten sie sich stumpf dem Kampf und ließen sich wie Zielscheiben zusammenschießen. Sie feuerten zwar aus allen Geschützen, machten sonst aber selten Anstalten ihr Ende hinauszuzögern.

Diesmal war es anders. Der feindliche Alienkommandant ließ seinen Piloten komplizierte Manöver fliegen, machte Finten, täuschte, flüchtete, griff an, setzte sich ab, versteckte sich. Vielleicht lag es daran, das es sich bei dem feindlichen Schiff nicht um eines ihrer riesigen Schlachtschiffe oder Truppentransporter handelte, sondern um eine kleinere Einheit, nicht viel größer als der Kampfraumer des Piloten. Dieses Schiff war merklich schneller als seine großen Brüder und Schwestern, sogar schneller als das Schiff des Piloten. Gewiss, der Alien hatte waffentechnisch eine relativ kleine Chance ihnen beizukommen aber er hatte die Schnelligkeit seines Schiffes jetzt schon zweimal geschickt eingesetzt, um den Schutzschirm ihres Schiffes mit seinen Waffen zum Flimmern zu bringen. Und das war besorgniserregend. Man hatte keine Erfahrung mit diesem taktischen Verhalten. Zumindest nicht der Kommandant des Piloten. Seit dem letzten Angriff des Aliens war fast eine Stunde vergangen. Er hatte sich abgesetzt und war von den Ortungsschirmen verschwunden. Die Spur seiner Antriebsemissionen hatte in ein nahegelegenes Sternensystem geführt. Aber diese Information war nicht wirklich hilfreich. Wieder einmal hatte der feindliche Kommandant seine Intelligenz unter Beweis gestellt und sein Schiff in ein Sonnensystem geführt, dass aus dreizehn Planeten bestand, von denen manche mehrere Monde besaßen, die teilweise sogar eigene Trabanten hatten. Was die Suche noch weiter erschwerte, war ein ausgedehnter Asteroidenring zwischen den beiden äußeren Planeten. Ein Teil der kosmischen, zerklüfteten Trümmer waren fast ebenso groß wie kleine Monde. Ein großes und unbewohntes System. Für sie. Für den Alienkommandanten bot es zig Möglichkeiten sich zu verstecken. Oder sich für eine Falle auf die Lauer zu legen.

Nun trieb das Schiff des Piloten also langsam von schräg ‚oben’ auf das System hinab und versuchte den Fremden aufzuspüren, dessen Spur sich zwischen dem Trümmerring verloren hatte.

Der Kommandant hatte den Antrieb auf Leerlauf herunterfahren lassen, um den eigenen Ortungsinstrumenten noch weniger Grund für verfälschte Messungen zu geben.

Aber auch das hatte nichts gebracht. Das Raumschiff der Aliens blieb verschwunden. Der Pilot schaute nach rechts zum Orter. Der studierte seine Instrumente und Anzeige in höchster Konzentration, nahm Feinabstimmungen vor und horchte auf die Hintergrundstrahlung des Alls, die von den hochempfindlichen Sensoren und Antennen des Schiffes eingefangen und an seinen Kopfhörer weitergegeben wurde. Seinem Gesicht nach zu schließen war aber auch hier nichts aufzunehmen. Außer dem Klang der Unendlichkeit – das innerwährende Singen des Universums mit seiner ganz eigenen und unverwechselbaren Melodie.

Hinter dem Piloten, im vorderen mittleren Bereich der Zentrale saß der Kommandant in seinem Kommandosessel und beriet sich mit seinem Stellvertreter. An ihrem Gesten und an ihrer Mimik konnte der Pilot erkennen, dass beide nicht weiter wussten, keine Ideen in ihre Köpfe fuhren, keine Erleuchtung sie heimsuchte, wie man dem feindlichen Schiff auf die Schliche kommen konnte. Der Pilot konnte die Ratlosigkeit auf ihren Gesichtern sehen – nur allzu deutlich.

Links vom Pilot saß der Waffenmeister an seinen Kontrollen und studierte die letzten Protokolle, suchte nach einer Lösung, gewillt beim nächsten Schlagabtausch dem Alienschiff alle im zur Verfügung stehenden Strahlen und Sprengkörper in den unwirklichen Bauch zu platzieren.

Der Pilot versuchte sich in die Rolle seines Kommandanten zu versetzen.

Natürlich könnten wir Verstärkung rufen aber um dieses System effektiv durchsuchen zu können, bräuchten wir weit mehr Schiffe als man uns zugestehen würde. Falls wir überhaupt Schiffe bekommen würden. Die Front ist groß und breit und unsere Reihen sind ausgedünnt. Der Pilot lachte innerlich auf. Oh, die Aliens haben nicht unsere Probleme, ihre Industrie baut immer weiter, ihre Weibchen setzten unermüdlich neuen Nachwuchs in ihre Welt. Unsere Industrie ist spezialisiert, mehr auf Qualität ausgerichtet aber dies nützt uns in diesem Krieg wenig. Aber unsere Führer scheinen blind für diese Schwäche zu sein. Sie wollen nicht erkennen, dass wir mit halb so guten Schiffen immer noch kampfkräftiger als die Aliens wären aber schneller bauen könnten.

Aber wenn wir keine Verstärkung rufen oder kriegen, was wollen wir dann jetzt und hier tun? Warten? Und wie lange? Bis der Alien dann doch zu einem neuen Angriff auftaucht und wieder verschwindet? Das kann doch dann noch ewig dauern.

Oder abziehen und den Alien ein Alien sein lassen? Also nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Kommandant dazu entschließt. Das käme doch einer Niederlage gleich. Das würde zeigen, dass wir feige sind, dass wir dem Alien nicht überlegen sind. Ich weiß es nicht. Gut, dass ich nur Pilot und kein Kommandant bin.

Der Pilot fragte sich, warum ihre Führer noch nicht bei anderen Rassen um Hilfe gebeten hatten, auch die mussten erkennen wie blutrünstig und bösartig die Aliens waren. Oder haben sie die benachbarten Rassen bereits um Hilfe gebeten und diese nicht bekommen? Haben die sich vielleicht schon mit den Aliens verbündet? Ein Schlag ging durch den Körper des Piloten und er setzte sich abrupt aufrecht und spann das Gedankenspiel weiter.

Konnte das vielleicht der Grund für die unglaublichen Ressourcen der Fremden sein?

Vielleicht werden sie von anderen Völkern mit Rohstoffen oder sogar Technik beliefert. Wir haben ja nicht nur Freunde in der bekannten Galaxis. Nicht alle sind uns wohlgesonnen. Angestrengt rieb sich der Pilot den Nasenrücken. Vielleicht so eine Art Rache für einen verlorenen Krieg. Aber wenn ich überlege, gegen wir in unserer jüngeren Geschichte Krieg geführt haben – das sind drei Rassen. Ich glaube, die hätten, selbst wenn sie alle mit den Feinden verbündet wären, nicht die Kapazitäten um den Aliens in diesem Ausmaß helfen zu können.

Unmerklich schüttelte der Pilot den Kopf. Das konnte es also auch nicht sein. Vielleicht eine ältere Rasse. Aber in der weit zurückliegenden Geschichte seines Volkes war der Pilot nicht bewandert. Er war doch noch jung. Und die ältere Geschichte war in der Schule immer nur kurz angerissen worden. Dies kam erst in den weiterführenden Schulen zur Sprache.

Ehe der Pilot sich wieder entspannen und zu seiner ursprünglichen Sitzposition zurückkehren konnte, wurde er durch ein Piepen aufgeschreckt, welches von der Ortungsstation in seine Ohren drang. Ortungsalarm! Sein Kopf schnellte nach rechts. Ebenso der Kopf des Kommandanten und der seines Stellvertreters. Konzentriert las der Orter seine Anzeigen ab und machte dann Meldung:

Alles nur noch Mittelmaß?

Immer habe ich Erdbeertee getrunken – aus dem Beutel, weil das schneller und unklomplizierter ist, als einen auf erhabenen japanischen „Ich-beeindruck-alle-mit-meiner-Zen-Ruhe“-Teemeister zu machen.

Bis Ende letzten Jahres hatten auch fast alle Anbieter von Teebeuteln im stinknormalen Supermarkt einen Erdbeertee im Angebot. Und plötzlich gibt es den nicht mehr. Von niemanden. Der einzige Anbieter war – bis vor ca. drei Monaten - noch Westcliff, der selbstständig-eigene Tee „Großhändler“ von (wir haben sogar ein eigenes Kochbuch für unseren Tütenkram) Aldi-Süd.

Und plötzlich machen die Verstörten genau so einen Blödsinn wie all die andere Hersteller:

GEMISCHTE TEESORTEN !!!

ALLE aber auch wirklich   A L L E   bieten nur noch dösigen MischMasch an.

Erdbeer-Rhabarbar

Erdbeer-Himbeer

Erdbeer-Sahne

Blaubeere-Vanille

Brombeer-Braunbär

Waldbeere

Erbeer-Cranberry

Süße Kirsche (was soll das sein?)

usw.

Aber keine reine Erbeere mehr. HALLO!!!!!  Ich will Erdbeertee und nix anderes !!!!!

Was soll das werden? Nur noch Kompromisse? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Großteil der Verbraucher, die zuvor Erdbeer-Tee getrunken haben, plötzlich sagen: „Hach, so reiner Erdbeer-Tee ist mir zu gewöhnlich, ich hätte gerne Rahrbarber dazu….“

Ich glaube, im Tee-Regal der Supermärkte sieht es genauso aus wie in unserer  Toleranz-Rücksicht-bis-zum-Erbrechen-Gesellschaft: Nur noch Vergleiche, Kompromisse. Keiner sagt mal A oder auch B (oder vielleicht sogar C).

Nein, alle müssen AB oder ABC oder CAB oder sonst was sagen. Keine einfachen, klaren Sachen mehr, nur noch der Versuch, mit einem Produkt (oder Satz oder Geste oder Aussehen) so viele Verbraucher (Wähler, Zuhörer, Idioten, Steuerzahler) wie möglich auf einmal zu „beglücken“.

Und alle, die nur EINE Sache wollen, nur EINEN Geschmack, bleiben als (übrigens nicht tolerierte) Minderheit auf der Durchschnittsstrecke….

 

Im Himmel herrschte knisternde Spannung.

Die Engel, sonst in der Regel mit durchaus gesetztem Ernst, gelegentlich auch ungezwungen fröhlich, ab und an untereinander streitend, schlichen nur noch auf Zehenspitzen über den Wolken einher. (Das war eigentlich völlig unnötig, denn die Wolken waren soooo weich, daß sie eh jeden Schritt ins Unhörbare dämpften).

Sie wagten kaum noch ein lautes Wort zu sagen, schauten sich beim Vorübereilen bedeutungsvoll an und nickten sich zu nach dem Motto: ”JAA, jetzt – ist – es – bald – soweit!”

Es war eine Spannung, die man vielleicht mit der vergleichen kann, wenn man das erstemal in seinem Leben einen Käsekuchen backt und einen stundenlang die Frage beschäftigt, ob er in sich zusammenfällt oder nicht – und ähnlich der Unruhe, die der Hobby-Heimwerker kennt, der den Rasenmäher in alle Einzelteile zerlegt und wieder zusammengesetzt hat und sich bang vor dem Moment fürchtet, wenn er ihn das erste Mal wieder startet.

JAAA eine solche Spannung hatte die Engel befallen, und schlimmer noch.
Und sie hatten, weiß Gott, Grund genug dazu. Gottvater nämlich hatte vor einiger Zeit entschieden, es wäre nun wirklich höchste Zeit, seinen Sohn als Botschafter des göttlichen Willens auf die Erde zu schicken, damit die Menschen endlich Frieden halten untereinander. Die Augen sollten ihnen dafür geöffnet werden, was es heißt, menschlich zu leben; ihr Leben an der Liebe auszurichten und nicht an Reichtum und Macht.
Eine gute Idee, meinten die Himmelsbewohner übereinstimmend. (Bis auf einige wenige, die maulend in der Ecke standen, v o l l e r Überzeugung, j e d e r Versuch, den Menschen so was nahe zu bringen, sei sowieso von vornherein zum Scheitern verurteilt.)

Nun also stand dieser große Moment praktisch vor der Tür. Vor knapp neun Monaten waren die Engel auf die Erde gereist, und hatten dort Maria verkündet, daß SIE die Auserwählte sei. Es hatte dann noch ein wenig Schwierigkeiten mit ihrem Verlobten gegeben (mußte sich Gott auch gerade eine u-n-v-e-r-h-e-i-r-a-t-e-t-e Frau aussuchen? Einige Engel konnten das Kritisieren eben nicht lassen), aber: das hatte man schließlich in den Griff bekommen.

Der Geburt Gottes als Mensch konnte man also nun demnächst entgegensehen.

Die Augen der Engel richteten sich immer öfter und immer häufiger auf DAS Stück Erde, wo das große Ereignis stattfinden sollte. Maria hatten sie in der letzten Zeit ein wenig aus den Augen verloren, aber – das würde schon alles seinen Lauf gehen.

Die ersten Engel waren schon unterwegs, um ja rechtzeitig zur Stelle zu sein, wenn der Gottessohn das Licht der Welt erblickte.

Auf den ausdrücklichen Wunsch von Gottvater waren keine kirchlichen Würdenträger informiert worden. Sein Sohn sollte nicht in einem Tempel, an fürstlichem Hof aufwachsen, sondern leben und zur Welt kommen, wie die meisten Menschen in diesem Land lebten und zur Welt kamen. Ihnen sollte sein Sohn die Botschaft Gottes bringen, die Botschaft der befreienden Liebe Gottes für die Menschen.
Die Tage vergingen – der große Augenblick rückte näher – nichts geschah.

Die Spannung der Engel wuchs ins Unerträgliche!

Die Engel, die für den Erdenauftrag abgeordnet waren, flogen immer nervöser hin und her. Schließlich, als sich nach einer Woche immer noch nichts getan hatte, fing das Wispern, das Flüstern an.
Die Engel steckten die Köpfe zusammen, Fragen wurden laut, Verunsicherung machte sich breit. Die Erdengel schickten verwirrt einen Abgeordneten in den Himmel zurück mit der Frage, was zu tun sei. Erste Gerüchte kamen in Umlauf:

“Die Erdengel hätten nicht genau genug beobachtet” – sagten die Himmelsengel.

“Der Verkündigungsengel habe seinen Auftrag nicht ordentlich erfüllt” – sagten die Erdengel. – Man kennt das ja, dieses Hin und Her. Aber: ereignen tat sich: nichts!!

Tage, Wochen vergingen. Bis eines Tages plötzlich ein atemloser Engel in den Himmel gerast kam, die Flügel zerzaust vom raschen Flug, die Backen gerötet vom Flugwind.
Man hatte Maria entdeckt, die gemütlich in ihrer guten Stube saß, strickend!!!
Kein Kleinkind um sie herum war zu sehen, keine Windeln hingen auf der Leine, und Maria selbst zeigte keinerlei Anzeichen einer Schwangerschaft.
Ratlosigkeit breitete sich aus. Natürlich schickte man noch einen wirklich zuverlässigen Engel hinunter, um diese Geschichte nachzuprüfen – aber man ahnte schon, daß sie stimmen würde.

Jesus war nicht zur Welt gekommen, wenigstens nicht da, wo er sollte.
Wo aber war er????

In ihrer Ratlosigkeit schickten die Engel eine Abordnung zu Gottvater. Dies wagten sie äußerst selten, so groß war ihre Ehrfurcht. Aber sie wußten sich nicht mehr zu helfen – ob er Rat wüßte?
Mit hängenden Köpfen und langen Gesichtern kamen die Engel zurück. Die Wohnungstür, die sonst immer einladend offen stand, war zugesperrt, ein Schild an der Klinke: “Vorübergehend außer Haus – Gottvater”.
Von Gott war also derzeit keine Hilfe zu erwarten, man mußte wohl oder übel selbst zur Tat schreiten.
Wo ist Gottsohn ?!?– das schien wohl die Kernfrage des Problems zu sein. Irgendwo mußte er doch sein! Und so fing generalstabsmäßig das große Suchen an. Ein Engel hatte die hervorragende Idee, die Erde in Längen- und Breitengrade einzuteilen, um so je einer Engelsgruppe ihr Suchgebiet besser zuweisen zu können, denn: die Erde als Ganzes war ja doch ein wenig unhandlich. Und so s u c h t e n die Engel landauf, landab – sie schauten in die römischen Tempel und die Hütten der chinesischen Landarbeiter, sie kamen in das indianische Pueblo und den Negerkral in
Zentralafrika, suchten bei den Kelten in Irland und bei den Griechen in Sparta.
Sie lernten dabei den Himalaja und die Anden kennen, Grönland und die Philippinen, waren am Baikalsee und am Titicaca-See… und dabei erfuhren sie vieles über das menschliche Leben, was sie nicht gewußt hatten. Sie sahen Armut und Elend, Not und Kriege, Hunger und Sklaverei… Nicht die Liebe regierte die Welt, sondern Haß und Neid. Die Botschaft Gottes wäre so notwendig in dieser Welt gewesen! Und selbst die dickköpfigsten Engel sahen jetzt ein, daß Gottvater recht hatte, als er darauf bestand, daß sein Sohn nicht in einem Tempel, nicht bei einem König zur Welt kommen sollte.
Die Menschen in ihrer Armut brauchten die Botschaft.
Die Engel suchten. Immer kleiner wurden die Dörfer, immer ärmer die Bewohner der Hütten… Gottes Sohn aber wurde nicht gefunden.

Im Jahre 5 der Zeitrechnung nach der vermeintlichen Geburt des Sohnes Gottes, trafen sich die Engel erstmals wieder vollzählig im Großen Himmelssaal. Eine Himmelskonferenz war einberufen worden. Resigniert waren sie ob der erfolglosen Suche, ratlos – und betroffen von dem, was sie auf der Erde gesehen hatten. Gottes Botschaft war nicht angekommen. Macht und Haß regierten die Welt. Was aber war nun die Aufgabe der Engel?
Nur im Himmel hin- und herfliegen, auf Wolken herumsitzen, brachte wenig Sinn… Nach vielem Gerede wurde es still… bis ein Engel schließlich zornig sagte:
”Also, mir reicht das Geschwätz. Ich kann das Elend da unten auf der Erde nicht länger ansehen. Wenn Gottes Sohn verlorengegangen ist, dann müssen wir es eben selbst machen. Ich jedenfalls schau nicht länger zu!!” – Sprach’s, packte ein Stück Himmel ein und flog zur Erde, zurück zur Atlantikküste, wo er vor einigen Tagen die große Sturmflut miterlebt hatte. Dort ist das Stück Himmel sicher besser am Platz, dachte er, und seine beiden Hände würden genug zu arbeiten, aufzubauen und zu trösten haben.

Sein beherztes Beispiel setzte Zeichen – nach kurzer Zeit der Betroffenheit sahen sich die Engel an, und jedem von ihnen kam die Erdensituation ins Bewußtsein die er verlassen hatte, als man die Himmelskonferenz einberief.

”Reden allein bringt uns nicht weiter”, rief ein anderer Engel, packte sich eine Wolke ein und verschwand – und noch einer – und noch einer.

Schließlich saßen nur noch zwei oder drei schlechtgelaunte Engel auf einer kleinen Wolke, die ihnen verblieben war, und starrten sich mißmutig und unzufrieden an. Sie konnten sich nicht entschließen, dem Beispiel der anderen zu folgen. Sie haßten es, wenn ihr weißes Kleid dreckig wurde, wenn die Fingernägel abbrachen.

Die anderen Engel aber landeten auf der Erde, –überall dort, wo Not am Mann war– und packten ein Stück Himmel aus. Sie griffen zu, wo es notwendig war, trösteten, wo Trauer war, hörten zu, wenn zugehört werden sollte, teilten ihr Brot, wenn jemand Hunger hatte, hatten Zeit, wenn jemand Zeit brauchte und kämpften für Gerechtigkeit, wo Ungerechtigkeit herrschte.

Und da, wo sie waren, wurde das Dunkel ein wenig heller, in der Kälte brannte ein Feuer, waren Einsame nicht mehr allein.

Seit dieser Zeit ist Weihnachten nicht mehr nur ein Tag von 365 Tagen, seitdem wird Gott nicht nur in einem Menschen Mensch – seitdem geschieht Weihnachten überall und jederzeit dort, wo ein Stück Himmel auf Erden aufblitzt, die Liebe die Oberhand gewinnt, Menschen die kleine und große Not des Menschen sehen und handeln!!!.
Gott wird Mensch – jeden Tag und jederzeit. Und jeder Mensch ist gefragt, in einem solchen Sinne dem anderen Menschen Mensch zu sein.

Sie wollen noch wissen, was aus den drei mißmutigen Engeln auf der verbliebenen Wolke geworden ist????? Ich will’s Ihnen verraten: Sie haben sich zerstritten, hoffnungslos!! – Jeder sitzt auf seiner Wolkenseite, verteidigt sein Revier bedingungslos, starrt einsam-arrogant in die Weite des Alls – und wenn man ganz genau hinschaut, wachsen ihnen kleine Hörner aus dem Kopf heraus.

Und was denn nun mit Gottes Sohn wirklich war, wollen Sie wissen?

Sie sind auch gar nicht neugierig, wie????

“Jesús” ist grade sechs geworden, lebt mit elf Geschwistern in einem kleinen Andendorf, formt kleine Täubchen aus Lehm – und ab und an, wenn er mal wieder einem seiner Engel begegnet, ohne dass der ihn erkennt, schmunzelt er zufrieden in sich hinein……

[ Aus “Der Tag, an dem der Osterhase dem Nikolaus half”; Autorin: Andrea Schwarz, “Herder” – ISBN 3-451-22853-X]

Konfuzius

„Fordere viel von dir, erwarte wenig von anderen – dann bleibt dir mancher Ärger erspart.“

Oscar Wilde

„Jedermann kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühle aufbringen. Es bedarf aber eines wirklich edlen Charakters, um sich über die Erfolge eines Freundes zu erfreuen.“

Copyright by Michael Rosenthal – alle Rechte vorbehalten

Kälte – absolut tödliche Kälte. Feindseligkeit – neutrale ignorante Feindseligkeit. Weite -unendliche, kaum zu begreifende Entfernungen. Und dennoch so anziehend; Sehnsüchte und Phantasien erweckend, Anziehungspunkt für Milliarden Augenpaare Erwachsener und Kinder – wunderschön und faszinierend.

Der Weltraum.

Ein schwarzes Tuch, gespickt von Abermillionen glitzernder Funken mit magisch blinkender Anziehungskraft die zu rufen schienen: „Besuche uns, ergründe unsere Geheimnisse, setze Deinen Fuß auf unsere Planeten, Monde, Asteroiden.“

Und doch sitze ich hier in einem künstlichen Organismus, dessen Mikroben wir sind. Mikroben, die mit eben diesem Organismus ihre Heimat verteidigen. Verteidigen müssen, weil wir sonst keinen Platz mehr haben, von dem aus wir das All mit seinen Sternen bewundern und bestaunen können. Verteidigen gegen einen Feind, der keine Gnade kennt. Ein Feind, der uns noch nicht einmal die Chance gibt, den Konflikt mit anderen Mitteln als der Gewalt beizulegen.

Für ihn fast unmerklich versteifte sich der Körper des Piloten, als seine Gedanken abschweiften. Sie waren nun nicht mehr bei der anmutenden Pracht des Weltalls, welches auf dem Bildschirm zu sehen war, sondern kehrten zum Grund seiner Anwesenheit auf diesem Schiff zurück.

Das Schiff des Piloten trieb zurzeit fahrtlos durch den Raum, nur bewegt von den unsichtbaren Gravitationslinien, die das Weltall durchzogen und die Sterne in einem komplexen Muster miteinander verbanden.

Der Grund für die Anwesenheit des Piloten und seines Schiffes war der bösartige Feind seines Volkes. Nicht das erste Mal traf sein Volk auf Fremde und auch nicht das erste Mal führten sie Krieg.

Aber das erste Mal mussten sie sich mit einem Feind auseinandersetzen, der ihre Existenz bedrohte. Ein Feind, der vom ersten Zusammentreffen an kein Zweifel daran ließ, das Volk des Piloten auslöschen zu wollen. Bösartig waren sie. Und grausam. Barbarisch. Ein Planet, den sie nicht erobern konnten, machten sie mit ihren Planetenkillern unbewohnbar. Oder zerstörten ihn völlig. Flüchtlingsschiffe wurden unbarmherzig zu flüssigem Metall verbrannt. Ganze Städte ausradiert. Kapitulation kannten sie nicht. Ebenso wenig Gnade oder Verhandlungen oder das eigene Aufgeben. Sie vermehrten sich schnell und deshalb brauchten sie Platz. Sie hatten die gleichen Anforderungen an Planeten wie das Volk des Piloten. Sie waren gierig. Ihre Habgier und ihre Intoleranz waren unglaublich. Und so erkannte das Volk des Piloten, dass ein Waffengang unumgänglich war. Aber nicht wie bei den letzten Kriegen gegen andere Fremde genügte es diesmal, sie einmal vernichtend zu schlagen. Sie kamen immer und immer wieder. Mit noch mehr Schiffen, noch mehr Soldaten, noch mehr Brutalität und Verbissenheit. Sein Volk dachte, sie würden es schaffen aber es sah nun nicht mehr so aus. Im Gegenteil, es wurde schlimmer und schlimmer. Sie kämpften nunmehr schon seit vier Jahren gegen die Aliens.

Nicht weit entfernt – zumindest an kosmischen Maßstäben gemessen – hatte eine der unzähligen Schlachten in diesem Krieg stattgefunden, den sie nun schon seit so langer Zeit gegen die Aliens führten. Den heutigen Kampf hatten sie gewonnen aber nur deshalb, weil die barbarischen Außerirdischen diesmal nicht wieder mit einer großen Menge an Kampfschiffen – von denen sie anscheinend über einen schier unerschöpflichen Vorrat verfügten – sondern mit, für ihre Maßstäbe, relativ wenigen Schiffen angegriffen hatten. Sie hatten vermutlich mit weniger Wiederstand gerechnet. Der Pilot dankte seinen Vorfahren, dass die Verhörspezialisten des Geheimdienstes dem einen lebenden Gefangenen, den man bis jetzt machen konnte und der in der Hierarchie der Aliens anscheinend ziemlich weit oben stand, ein paar Informationen hatte herauspressen können. Unter anderem Ort und Zeitpunkt eines ihrer nächsten Angriffe. Dieses Angriffes. Nicht das es wirklich etwas bedeutet hätte. Die Fremden vermehrten sich schnell und zahlreich. Deshalb waren sie auch in der Lage, so viele und so große Raumschiffe zu bauen – sie hatten einfach das Personal und konnten an mehreren Orten gleichzeitig mit solcher Wucht angreifen, dass dem Militär seines eigenen Volkes nur allzu oft der Rückzug blieb. Trotz der eigenen technischen Überlegenheit – sie hatten einfach nicht die industriellen und personellen Ressourcen wie ihre Feinde.

Und so zog sich das Volk des Piloten seit Ausbruch des Krieges tiefer und tiefer in das eigene Gebiet zurück, vernichtete tausende Schiffe der Angreifer und wurden doch durch deren Übermacht überrollt.

Es war deshalb auch kaum verwunderlich, dass in den Kreisen der Raumschiffbesatzungen und Bodensoldaten, beim Sanitätspersonal, beim Geheimdienst und anderen das angstvolle Gerücht umhersprang wie ein Fegefeuer, der verhasste Feind könnte bald soweit vorgedrungen sein, dass ein Angriff auf das Zentralsystem möglich sei.

Diesmal hatten sie die Schlacht gewonnen – solche Siege waren viel zu selten. Fünf Schiffe der Aliens hatten sich abgesetzt, bevor sie zerstört oder kampfunfähig gemacht werden konnten. Das Schiff des Piloten war auf der ausgedehnten Front den Flüchtenden am nächsten gewesen und sie hatten drei Schiffe fast sofort vernichten können. Den vierten der abgrundtief hässlichen feindlichen Raumer konnten sie nicht viel später ebenfalls stellen und zu kosmischen Staub verarbeiten Aber das letzte Schiff hatte sich bis jetzt mehrmals den alles auffressenden Salven ihrer Geschütze entziehen können. Der feindliche Schiffskommandant war anders. Er legte eine Intelligenz, Raffinesse, Durchtriebenheit und taktische Fähigkeit an den Tag, die den Piloten fast schon beeindruckte.

Fortsetzung folgt …

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